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Schüler ohne Hauptschulabschluss

Schulischer Misserfolg in OWL: 5 Prozent der Schulabgänger waren ohne Hauptschulabschluss

Ohne Schulabschluss ist es schwer einen Ausbildungsplatz zu bekommen und ohne abgeschlossene Ausbildung ist es schwer einen Job zu finden und gut zu verdienen. Diese Binsenweisheit gilt auch für Ostwestfalen-Lippe. Hierzu gibt es neue Erkenntnisse des Landesamtes für Statistik. Sie basieren auf Totalerhebungen der amtlichen Schulstatistik, die jährlich ermittelt werden.

Im Sommer 2008 gingen in OWL 1425 Jungen und Mädchen ohne Hauptschulabschluss nach Klasse 9 von einer allgemeinbildenden Schule ab. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, waren das 0,26% weniger als ein Jahr zuvor (Sommer 2007: 1510). Damit ging von den rund 28300 Schülerinnen und Schülern, die im letzten Jahr aus den allgemeinbildenden Schulen in OWL entlassen wurden, etwa jede(r) zwanzigste (5 Prozent) ohne Hauptschulabschluss ab. Jungen schnitten dabei schlechter ab als Mädchen: Von den männlichen Abgängern musste jeder Sechzehnte, von den weiblichen jede Sechundzwanzigste ohne mindestens einen Hauptschulabschluss in der Tasche von der Schule abgehen.

830 der 1425 Abgänger ohne Hauptschulabschluss erreichte 2008 einen Abschluss an Förderschulen, an denen je nach Förderschwerpunkt ein Hauptschulabschluss nicht erreicht werden kann. 235 dieser Jugendlichen erzielten dabei einen Abschluss im sonderpädagogischen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und 595 einen im Förderschwerpunkt Lernen. 595 junge Menschen verließen im Sommer 2008 die Schule ohne jeglichen Abschluss.

Die OWL-Misserfolgsquote liegt zwar 1,4% unter dem Landesdurchschnitt aber deutlich über den Zielvorgaben des Regionalrates. Danach hätte bis 2008 die 3%-Quote deutlich unterschritten sein müssen.

An Gesamtschulen gibt es weniger Abgänger ohne Abschluss (3,5%) als an Hauptschulen (5%), wobei es hier deutliche regionale Unterschiede registriert wurden. Die Hauptschulen im Kreis Herford haben eine Misserfolgsquote von 9,4% im Kreis Gütersloh beträgt sie aber nur 3,3%. Die Gesamtschulen im Kreis Lippe verlassen nur 1% der Schulabgänger ohne Abschluss, im Kreis Minden-Lübbecke sind es aber 5,2%, im Kreis Herford 4,2%.

Wenn man davon ausgeht, dass die Kompetenz der Schüler über die Kreise relativ gleich verteilt ist, dann weisen die regionalen Unterschiede auch auf unterschiedliche Leistungen der Schulen im Hinblick auf die Förderung von schwachen Schülern hin.

Eine Auswertung der amtlichen Daten von Information und Technik NRW für 2007 und 2008 finden Sie hier... [101 KB]

Ohne zählbaren Erfolg

Ohne Schulabschluss ist es schwer einen Ausbildungsplatz zu bekommen und ohne abgeschlossene Ausbildung ist es schwer einen Job zu finden und gut zu verdienen. Diese Binsenweisheit gilt auch für Ostwestfalen-Lippe.

Hierzu liegen nun neuere statistische Ergebnisse vor.

Nach einer Veröffentlichung der Bertelsmann-Stiftung verließen 2009 6,3 % aller gleichaltrigen Jugendlichen die allgemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss. Das waren in OWL 2009 1580 Schüler und 2010 1278 Schüler.

OWL lag damit 2009 ungefähr auf dem Landesniveau von 6,5% aber es gab regionale Unterschiede. Die Misserfolgsquoten-Quoten für die Kreise Lippe, Höxter, Minden-Lübbecke und für die kreisfreie Stadt Bielefeld lagen mit über 7% höher als die Quoten für die Kreise Gütersloh (4,7%), Paderborn (5,6%) und Herford (5,9%). mehr... [155 KB]

Für 2010 veröffentlichte jetzt IT.NRW als Statistisches Landesamt aktuelle Zahlen. Im Sommer 2010 gingen in OWL 1278 Jungen und Mädchen ohne Hauptschulabschluss von einer allgemeinbildenden Schule ab. Von den rund 27486 Schülerinnen und Schülern, die im letzten Jahr allgemeinbildende Schulen in OWL verlassen haben, gingen also 4,65% ohne Hauptschulabschluss ab. Damit liegt die Quote unter dem Landesdurchschnitt von 5,5%.

Mehr als die Hälfte (759) der 1278 Abgänger ohne Hauptschulabschluss erreichte 2010 einen Abschluss an Förderschulen. Je nach Förderschwerpunkt kann gar kein Hauptschulabschluss erworben werden. 252 dieser Jugendlichen erzielten dabei einen
Abschluss im sonderpädagogischen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und 507 einen im Förderschwerpunkt Lernen. 519 junge Menschen verließen im Sommer 2010 die Schule ohne jeglichen Abschluss, das waren 1,9 Prozent aller Schulabgänger in OWL. Auch diese Quote liegt unter dem Landesdurchschnitt von 2,7%.

Da Regionaldaten zeigen allerdings deutliche Ungleichgewichte.mehr...

Wenn man davon ausgeht, dass die Kompetenz der Schüler über die Kreise relativ gleich verteilt ist, dann weisen die regionalen Unterschiede auch auf unterschiedliche Leistungen der Schulen im Hinblick auf die Förderung von schwachen Schülern hin.

Diese Aussage gilt auch und gerade für die Berufskollegs in der Region. Für viele gescheiterte Schulabgänger der allgemeinbildenden Schulen stellen sie zwar eine „zweite Chance“ dar, die allerdings von vielen in der Vergangenheit nicht genutzt werden konnte. Dies hat zu der sog. Warteschleifen-Diskussion geführt. mehr... Die bezog sich aber auf die Situation der Entlassjahrgänge 2006/2007.

Für das Jahr 2009 hatte das Bildungsportal-Lippe erstmals die Situation der Abgänger der Berufskollegs ohne Schulabschluss auf der Basis der Daten von 2008 analysiert. Dabei wurden jedoch die Bildungsgänge der Teilzeit-Berufschule mit berücksichtigt. mehr...
Da jedoch die Abgänger aus dem ersten und zweiten Ausbildungsjahr des dualen Systems der beruflichen Erstausbildung überhaupt keinen höherwertigen Schulabschluss erhalten können, wurde der Aussagewert der Analysen generell in Zweifel gezogen.

Für 2010 wurde die Analyse nun auf die Vollzeitbildungsgänge der Berufskollegs eingegrenzt. Danach ergibt sich folgendes Bild:

Von den 15487 Schulabgängern, die 2010 die Vollzeitbildungsgänge der Berufskollegs in OWL verlassen haben, hatten 5327 Schüler die Schulen ohne Abschluss verlassen. Das sind 34,4% aller Schulabgänger der Vollzeitbildungsgänge der Berufskollegs. Von diesem Durchschnittswert gibt es allerdings starke regionale und bildungsgangsspezifische Abweichungen.

Für das berufliche Gymnasium, für die Fachschulen und Fachoberschulen ist die Misserfolgsquote deutlich geringer. Für das Berufsorientierungs- und das Berufsgrundschuljahr, sowie für die Berufsfachschulen liegt der Misserfolg aber deutlich, höher teilweise bei über 50%.

Hier gibt es wiederum starke regionale Abweichungen, die kritisch zu hinterfragen sind. Warum erreichen im Kreis Herford und im Kreis Lippe über 65% der Schüler im Berufsorientierungsjahr keine Hauptschulabschluss, während es in Bielefeld nur 23% sind? Warum beträgt die Misserfolgsquote im Berufsgrundschuljahr in den Kreisen Höxter und Lippe rd. 40% im Kreis Minden-Lübbecke nur 20%. Es fällt zudem auf, dass die Misserfolgsquoten für fast alle Bildungsgänge der Berufskollegs im Kreis Höxter deutlich über den OWL-Quoten liegen.

Eine Auswertung des schulischen Misserfolgs von Ausländern an den Berufskollegs in OWL zeigt, dass 44% von ihnen die Berufskollegs ohne zählbaren Erfolg verlassen. Auch hier gibt es wiederum erhebliche regionale Abweichungen. Besonders schwer haben es ausländische Schüler im Kreis Höxter und im Kreis Minden-Lübbecke mit Misserfolgsquoten von 56% bzw. 49%, währen im Kreis Bielefeld die Quote „nur“ 37% beträgt.

Der schulische Misserfolg von Aussiedlern bewegt sich hingegen ungefähr auf dem Stand der einheimischen Schüler (36%), wobei Aussiedler im Kreis Paderborn (Misserfolg von 31%) erheblich mehr Chancen haben als im Kreis Höxter (Misserfolg von 44%).

Die Daten und Auswertungen auf der Grundlage der Veröffentlichungen von it.nrw im Überblick:
- Alle Daten und Auswertungen komplett. mehr... [118 KB]
- Schulabgängerinnen und Schulabgänger der Vollzeitbildungsgänge an Berufskollegs in OWL 2010 mehr... [85 KB]
- Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Abschluss in den Vollzeit-Bildungsgängen der Berufskollegs nach Schulformen (Quoten) mehr... [82 KB]
- Schulabgängerinnen und Schulabgänger (nur Ausländer) ohne Abschluss der Vollzeit‐Bildungsgänge an Berufskollegs nach Schulformen (Quoten) mehr... [83 KB]
- Schulabgängerinnen und Schulabgänger (nur Aussiedler) ohne Abschluss der Vollzeit‐Bildungsgänge an Berufskollegs nach Schulformen (Quoten) mehr... [83 KB]

Eine interessante Studie zu den Warteschleifen an den Berufskollegs im Kreis Lippe aus dem Jahr 2008 finden Sie hier... [371 KB]

Schüler ohne Abschluss an Berufskollegs

Für viele gescheiterte Schulabgänger der allgemeinbildenden Schulen stellen die Berufskollegs eine „zweite Chance“ dar, die allerdings von vielen nicht genutzt werden konnte. 9461 Schüler haben 2008 die Berufskollegs in OWL ohne zählbaren Erfolg verlassen. Das sind 29% aller Schulabgänger. Hier gibt es allerdings starke regionale Abweichungen, die kritisch zu hinterfragen sind. "Warum erreichen im Kreis Herford und im Kreis Lippe über 60% der Schüler im Berufsorientierungsjahr keine Hauptschulabschluss, während es in Bielefeld nur 35% sind? Warum beträgt die Misserfolgsquote im Berufsgrundschuljahr im Kreis Paderborn 51% im Kreis Minden-Lübbecke 43% im Kreis Herford aber nur 15%. Es fällt zudem auf, dass die Misserfolgsquoten für fast alle Bildungsgänge der Berufskollegs im Kreis Minden-Lübbecke deutlich über den OWL-Quoten liegen. Eine Auswertung des schulischen Misserfolgs von Ausländern an den Berufskollegs in OWL zeigt, dass 44% von ihnen die Berufskollegs ohne zählbaren Erfolg verlassen. Auch hier gibt es wiederum erhebliche regionale Abweichungen. Besonders schwer haben es ausländische Schüler im Kreis Minden-Lübbecke und im Kreis Lippe mit Misserfolgsquoten von 70% bzw. 49%, währen im Kreis Gütersloh die Quote „nur“ 33% beträgt. Der schulische Misserfolg von Aussiedlern bewegt sich hingegen auf dem Stand der einheimischen Schüler (29%), wobei Aussiedler in Bielefeld (Misserfolg von 18%) erheblich mehr Chancen haben als im Kreis Minden-Lübbecke (Misserfolg von 41%)", so ein Bericht in der NW vom 4.4.2009.

Auswertungen des Bildungsportals-Lippe auf der Grundlage der Daten von Information und Statistik NRW:
"Schulabgänger ohne Abschluss an Berufskollegs in NRW und OWL 2008" , bitte klicken Sie hier... [88 KB]
"Schulabgänger ohne Abschluss an Berufskollegs in den Kreisen in OWL 2008", bitte klicken Sie hier... [160 KB]
"Schulabgänger ohne Abschluss an Berufskollegs in NRW, OWL und in den Kreisen in OWL 2008" (nur %-Anteile), bitte klicken Sie hier... [95 KB]

Erhebliche regionale Unterschiede

Quelle: NW 4.4.09

Bertelsmann Stiftung veröffentlicht aktuelle Daten

Gütersloh, 25. Februar 2011. Immer noch verlassen zu viele Schülerinnen und Schüler das allgemein bildende Schulsystem ohne Hauptschulabschluss. Das zeigen aktuelle Berechnungen der Bertelsmann Stiftung. Zwar ging die Zahl im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um 6.600 Jugendliche leicht zurück. Dennoch kann keine Entwarnung gegeben werden. Die Zahl von 58.400 Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss ist weiterhin Besorgnis erregend. Gemessen an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung verlassen im Bundesdurchschnitt 7 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss. Die Bertelsmann Stiftung stellt die aktuellen Daten für alle Bundesländer, Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland ab sofort auf ihrer Homepage zur Verfügung.

Nach wie vor sind die Chancen auf einen Schulabschluss in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern: Die Quoten in den ostdeutschen Ländern liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Im Vergleich aller Bundesländer variiert der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss von 5,7 Prozent in Baden-Württemberg bis hin zu 14,1 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist es jedoch gelungen, die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss deutlich zu verringern – von 17,9 Prozent in 2008 auf 14,1 Prozent in 2009. In den anderen Bundesländern konnten meist leichte Verbesserungen verbucht werden. Hervorzuheben sind Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Hier sanken jeweils die Anteile der Abgänger ohne Abschluss um 1,2 Prozentpunkte. In Hessen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt haben hingegen gemessen an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung mehr Jugendliche die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen als im Vorjahr.

Alle Regionaldaten zu den Schulabgängern in den Kreisen und Kreisfreien Stadten finden sie hier...
 
Bei einem Vergleich der Anteile der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss auf Kreisebene sind die Unterschiede noch gravierender. Die Quoten bewegen sich in einer Bandbreite von 1,3 Prozent im Landkreis Würzburg bis hin zu 25 Prozent in der kreisfreien Stadt Wismar. In knapp einem Viertel der über 410 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland gehen mehr als zehn Prozent der Schüler ohne Hauptschulabschluss von der Schule ab – in 19 Kreisen sogar mehr als 15 Prozent. Eine Interpretation und Bewertung der regionalen Ergebnisse kann allerdings nur vor Ort mit der Kenntnis der spezifischen Rahmenbedingungen, Pendlerbewegungen und Entwicklungen erfolgen. „Entscheidend ist es, diese Probleme in den Kreisen und Kommunen zu erkennen und für die betroffenen Jugendlichen, Schulen und Stadtteile passgenaue Lösungsansätze zu suchen“, forderte Dr. Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Veröffentlichung der Ergebnisse.
 
Eine deutliche Verringerung der Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss könne aber nicht allein auf kommunaler Ebene erreicht werden. „Vielmehr müssen wir uns den Problemen und Herausforderungen der Haupt- und Förderschulen stellen“, so Dräger weiter. Rund 80 Prozent der Schulabgänger ohne Schulabschluss kommen aus Förder- und Hauptschulen. Das hat eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung gezeigt. „Genau diese Schulen, auf die es ankommt, blenden wir aber aus. Ihre Schülerinnen und Schüler werden bei den nationalen Vergleichstests nicht oder unvollständig einbezogen, Bildungsstandards für die Hauptschule gar nicht erst überprüft. Wir dürfen die Augen nicht bewusst vor den Herausforderungen an den Haupt- und Förderschulen verschließen. Wir brauchen mehr Transparenz. Wir dürfen es nicht weiter hinnehmen, dass Jugendliche die Schule ohne Abschluss und Perspektive verlassen“, fügte Dräger hinzu.

Deutliche regionale Unterschiede in OWL

Der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung liegt in OWL mit 6,3% ungefähr auf dem Landesniveau von 6,5%. Dennoch gibt es Abweichungen von diesem Durchschnittswert. Die Quoten für die Kreise Lippe, Höxter, Minden-Lübbecke und für die kreisfreie Stadt Bielefeld liegen mit >=7% deutlich höher als die Quote für die Kreise Gütersloh (4,7%), Paderborn (5,6%) und Herford (5,9%).

Eine Übersicht dazu finden Sie hier... [155 KB]