Bildungsabbrecher

...auch 2013 ein Problem

NW 26.01.2013

...verschärfen den Fachkräftemangel und kosten

Langsam zeichnet sich auch in Ostwestfalen-Lippe ab, dass Bewerber um Lehrstellen knapp werden könnten. Das führt dazu, dass in der Bildungsregion OWL verstärkt die Abbrecher in den Ausbildungsbetrieben und den Berufskollegs in den Blick genommen werden. Jeder fünfte Auszubildende gibt laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) vorzeitig auf. Für die Abbrecher bedeutet dies mindestens ein verlorenes Jahr und ein Verlust von mehr als 10.000,- Euro für den verspäteten Einstieg in die Berufstätigkeit. Auch die Unternehmen bleiben auf erheblichen Kosten sitzen. Sie haben bis zu der Vertragslösung viel Geld in die Ausbildung (Lohnkosten, Kosten für Lehrmaterialien, Schutzkleidung u.s.w.) investiert.

Das BIBB hat errechnet: 2007 haben die Betriebe bundesweit 580 Millionen € durch frühzeitige Vertragslösungen verloren.

Weitere Daten und Fakten zum Thema finden Sie hier...

Die Gründe sind vielschichtig

BBA der IHK-OWL nimmt Abbrecher in den Blick

Die IHK-Ostwestfalen dazu in einer Pressemitteilung:

„Die Gründe für die relativ hohen Abbrecherquoten von durchschnittlich 20 Prozent sind vielschichtig. Einerseits müssen wir die Unternehmen im Umgang mit schwächeren Jugendlichen unter-stützen. Andererseits möchten wir auch die Auszubildenden ermuntern, sich bei Problemen vor einem möglichen Abbruch frühzeitiger an die Ausbildungsberater der IHK zu wenden.“

In Ostwestfalen-Lippe brechen jährlich zwischen 3000 und 4000 Auszubildende die Ausbildung ab. Daten des statistischen Landesamtes it.nrw für das Jahr 2011 zeigen, dass die Abbrecherquote in OWL mit 23,5% zwar nur 1% über dem Landesdurchschnitt liegt, aber deutliche regionale Unterschiede zu verzeichnen sind.
Am höchsten liegt die Abbrecherquote mit 26,6% im Kreis Lippe und am geringsten im Kreis Höxter mit 18,5%.

Die Untersuchungen des BIBB zeigen aber auch deutliche berufsspezifische Unterschiede. So brechen 43,8% der Köche die Ausbildung ab, gefolgt von den Friseuren (35,9%) und den Bäckern (33,3%). Bei den Bankkaufleuten liegt die Abbrecherquote lediglich bei 5%.

Der Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) hat jetzt einen Aktivitätenplan vereinbart, um auch die Ausbildungsabbrecherquoten in der Region zu verringern. „Als wichtigste Maßnahme wurde ein so genanntes ‚Frühwarnsystem‘ vereinbart, damit sich Auszubildende bei Ausbildungsmängeln eher an die IHK wenden“, erklärt der Vorsitzende des IHK-Berufsbildungsausschusses, Dr. Florian Böllhoff.

Dazu gehörten Anlagen zum Klassenbuch in den Berufskollegs mit den Ansprechpartnern der IHKs, der Bundesagentur für Arbeit, zum Programm „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ (VerA) und der Gewerkschaften sowie eine stärkere Sensibilisierung an den Berufskollegs.

Abbrecher des dualen Systems erhöhen an den Berufskollegs den Problemdruck durch eine ohnehin hohe Fluktuation in anderen Bildungsgängen. Im Bereich der Berufsorientierung liegt z.B. die Abbrecherquote über 50%.

Würde man die Abbrecherquote in der Berufsausbildung insgesamt auf 10% reduzieren, so würde das nach einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung bis zum Jahr 2020 im Facharbeiterbereich bundesweit zu 300.000 Vollzeitbeschäftigungen führen.