Presse 2009

DGB NRW: Die Hälfte der Jugendlichen geht leer aus

Deutscher Gewerkschaftsbund NRW
PM 090/09
 
 
13. Oktober 2009
www.nrw.dgb.de
 
 
DGB NRW: Die Hälfte der Jugendlichen geht leer aus
 
 
Die heute von der Regionaldirektion vorgelegten Daten belegen nach Ansicht des DGB NRW die kritische Situation am Ausbildungsmarkt.
Hierzu Guntram Schneider, der Vorsitzende des DGB NRW:
 
„Auch wenn die Wirtschaftskrise in diesem Jahr noch nicht voll auf den Ausbildungsmarkt durchgeschlagen ist, haben wir keinen Grund zum Jubeln. Im Gegenteil, der seit Jahren drückende Ausbildungsplatzmangel wird fortgeschrieben. Nur die Hälfte, der bei der Arbeitsagentur registrierten Bewerberinnen und Bewerber in NRW, konnte nachweislich in eine duale Berufsausbildung vermittelt werden. Zu den derzeit offiziell unversorgten 2.937 Bewerberinnen und Bewerbern müssen die Jugendlichen hinzugezählt werden, die wie jedes Jahr in Warteschleifen einmünden, aber trotzdem immer noch einen Ausbildungsplatz suchen. Aktuell stehen laut Statistik der Arbeitsagentur für rund 24.000 Bewerberinnen und Bewerber nur 2.264 Ausbildungsplätze zur Verfügung.
 
Nur weil sich die Situation am Ausbildungsmarkt im Vergleich zum Vorjahr nicht akut verschlechtert hat, bedeutet das noch lange nicht, dass sie gut ist. Wir dürfen uns mit den mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten nicht abfinden. Jeder Ausbildungsplatz zu wenig raubt einem jungen Menschen die Chance auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Jeder Jugendliche, der heute nicht ausgebildet wird, fehlt uns morgen als Fachkraft.“

Barbara Hemkes
Pressesprecherin des DGB NRW
Leiterin der Abteilung Grundsatz/Medien- und Öffentlichkeitsarbeit/Medienpolitik
 
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Bertelsmann Stiftung fordert grundlegende Reformen

Gütersloh, 2. April 2009. Angesichts der zu erwartenden Krise am deutschen Ausbildungsmarkt fordert die Bertelsmann Stiftung grundlegende Reformen. Der gestern vorgelegte Berufsbildungsbericht der Bundesregierung für das Jahr 2009 dokumentiere keine Trendwende, sagte Vorstandsmitglied Dr. Jörg Dräger. Im Gegenteil: Dramatisch sei die Bugwelle an Altbewerbern, die im Jahr 2008 rund die Hälfte aller registrierten Bewerber ausmachte.

Mehrere hunderttausend Jugendliche müssten derzeit nach Verlassen der Schule in die Warteschleife. Weil sich für sie kein regulärer Ausbildungsplatz finde, landeten sie im so genannten Übergangssystem, sagte Dräger. Der Flickenteppich von Einzelmaßnahmen wie berufsvorbereitende Kurse oder Praktika schaffe aber nur selten Übergänge zwischen Schule und Arbeitswelt. Daher seien strukturelle Reformen unausweichlich. Der unüberschaubare Maßnahmendschungel müsse endlich beseitigt werden.

Ausbildungsreife Jugendliche ohne Lehrstelle sollten künftig nicht mehr in einer Übergangsmaßnahme geparkt werden, forderte Dräger. Vielmehr sollten sie das vermittelt bekommen, was sie zur Ausübung eines anerkannten Ausbildungsberufes brauchten. Diese Form der Ausbildung sollte unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten im Wesentlichen durch Betriebe, berufliche Schulen und Bildungsträger erfolgen. Nicht ausbildungsreife Jugendliche müssten gezielt gefördert werden, um Ausbildungsreife zu erlangen. Anschließend müsse dann auch ihnen eine abschlussorientierte Berufsausbildung garantiert werden.

Nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung lassen sich durch einen derartigen Reformansatz allein bis zum Jahr 2015 mindestens 50 Milliarden Euro an Einspar- und Wertschöpfungspotenzialen heben. "Dieser immense gesamtgesellschaftliche Schaden und das Schicksal der betroffenen jungen Menschen sollten doch Mut machen, auch die grundlegenden Strukturen des Berufsbildungssystems zu überdenken", sagte Dräger. Wenn der realwirtschaftliche Bedarf an Auszubildenden sinke, müsse es zum Ausgleich auch verstärkt schulische oder überbetriebliche Ausbildungen neben der klassisch-betrieblichen geben.

Das gehe nur, wenn diese unterschiedlichen Formen aufeinander abgestimmt würden, so Dräger. Eine modulare Ausbildung – jeder Baustein standardisiert – sei ein möglicher Weg. Das Ausbildungsniveau dürfe dabei keinesfalls sinken. Im Gegenteil: Die berufliche Bildung brauche mehr Durchlässigkeit in Richtung Hochschule. Sonst werde sie bald als System der Leistungsschwachen gebrandmarkt werden.

(Pressemitteilung der Bertelmann-Stiftung vom 2.4.2009)