Berufsbildungsbericht Kreis Lippe

Arbeitnehmervertreter kritisieren Bericht

Pressemitteilung 22.11.2009

DGB-Kritik zum lippischen Berufsbildungsbericht:
Thema verfehlt!



„Überfrachtet, unverständlich, veraltet und mit der heißen Nadel gestrickt.“ So urteilen GewerkschaftsvertreterInnen über den aktuell vorgelegten Berufsbildungsbericht des Kreises Lippe.

„Einen Schub für den Ausbildungsmarkt bewirkt dieser Bericht nicht“, so die Vorsitzende das DGB in Ostwestfalern-Lippe, Astrid Bartols. „Stattdessen wurde uns so etwas wie eine Diplomarbeit über das gesamte lippische Bildungs- und Ausbildungswesen vorgelegt. Die Betriebliche Berufsausbildung spielt hierbei offensichtlich inzwischen eine eher untergeordnete Rolle.“

Diese Kritik aus dem Arbeitnehmerflügel im Berufsbildungsausschuss der IHK habe man auch in der letzten Sitzung in Schrift und Wort deutlich gemacht, so der erste Bevollmächtigte der IG Metall Reinhard Seiler.

Schließlich seien auch wichtige Fakten, wie das Prädikat „besonders ungünstig“ im Berufsbildungsbericht des Bundes in der Lippischen Ausgabe schlichtweg ignoriert worden. Dabei seien diese und ähnliche Indikatoren wichtige Merkmale für den für den lippischen Ausbildungsmarkt.
Gleiches gilt für die Tatsache, dass in diesem Jahr in Lippe rund 8% weniger Ausbildungsstellen in der Wirtschaft zur Verfügung standen als im Vorjahr. „Damit ist der Fachkräftemangel weiter vorprogrammiert.“ so Seiler weiter.
In dieser Einschätzung würden die Gewerkschaften dem Bericht des Kreises zustimmen.

Allerdings könnten die GewerkschaftsvertreterInnen die Aussagen zum Übergangssystem zwischen Schule und Beruf nicht nachvollziehen. „Der Mangel an Ausbildungsstellen in Lippe ist die Hauptursache für das vorhandene Übergangsproblem und nicht der Mangel an Bewerbungen.“ meinte Dr. Klaus Kessler, einer von 6 ArbeitnehmervertrerInnen im Berufsbildungsausschuss.
Es sei allerdings richtig, dass sich um diesen Bereich nicht ausreichend gekümmert werde, so Kessler weiter. „Die kaufmännischen Berufsbildungskollegs beispielsweise tun für schwächere Schulabgänger so gut wie nichts. Dies führt zu erheblichen Fehlsteuerungen und Vergeudung von Steuergeldern.“ Eine junge Frau ohne Hauptschulabschluss etwa, die Verkäuferin werden möchte,müsse erst den Umweg über ein gewerbliches Berufskolleg machen, um überhaupt einen besseren Schulabschluss zu bekommen. Auch dieser Sachverhalt werde im Berufsbildungsricht nicht vermittelt, so Kessler in der Kritik. Die ArbeitnehmervertreterInnen bemängeten in dem Bericht auch, die aus ihrer Sicht zumeist zusammenhanglose Aneinanderreihung von Einzelaspekten, Tabellen und Grafiken. „Jedes gute Lektorat hätte so etwas vermutlich nicht in druck gegeben,“ meinte der erste Bevollmächtigte der IG Metall, Reinhard Seiler. „ Nicht nur für unsere VertreterInnen in den Betrieben ist dies schwer so nachzuvollziehen“.

Den Schlussfolgerungen und Vorschlägen stünden die Gewerkschaften ebenfalls skeptisch gegenüber. Der Bericht sehe zum Beispiel in der Gründung einer „Produktionsschule“ eine Verbesserung der Situation schwächerer Schüler. Dieser Vorschlag werde indes von den Gewerkschaften in Lippe abgelehnt, so Kessler. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass im Berufsbildungsbericht einerseits der Rückgang von Schülerzahlen insgesamt beklagt werde und gleichzeitig eine neue Schule gegründet werden soll.
Dies würde für die Berufskollegs vermutlich bedeuten, dass sie künftig noch weniger SchülerInnen zu unterrichten hätten.„Wir befürchten, dass der Kreis weitere Doppelstrukturen schaffen wird, die als eher uneffektiv zu bewerten sind.“ so die Gewerkschaftsvertreter in ihrem gemeinsamen Fazit.

Die ausführliche Stellungnahme zum Berufsbildungsbericht 2009 des Kreises Lippe finden Sie hier... [148 KB]