Ausbildungssituation 2007

OWL im Keller der Statistik

Allen sog. "Erfolgsmeldungen" zur Situation des Lehrstellenmarktes in OWL zum Trotz: Die amtliche Statistik spricht eine deutliche Sprache. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ist in OWL so ungünstig wie in kaum einer anderen Region in Deutschland, und zwar einschließlich der ostdeutschen Arbeitmarktregionen! Gemessen an der sog. "Angebots-Nachfrage-Relation" (ANR) belegen die Arbeitsagenturbezirke Bielefeld (Rang 167), Herford (Rang 170) und Detmold (Rang 171) von 175 Regionen insgesamt. Lediglich der Arbeitsagenturbezirk Paderborn (Rang 122) schneidet etwas besser ab. Herford und Detmold bilden damit auch in NRW die vorletzten Plätze, nur Gelsenkirchen schneidet noch schlechter ab. OWL ist damit von einem auswahlfähigen Lehrstellenangebot viel weiter entfernt als andere Regionen. Das von einigen Kreisen propagierte sog. "Regionale Bildungsmanagement" kann unter diesen Bedingungen nicht funktionieren. Kompetenzchecks und Assessments verstärken nur den Druck auf die Bewerber und führen zu einem Verdrängungswettbewerb von oben nach unten. Die amtliche Statistik 2007 zu diesem Thema finden sie hier... [23 KB]

50 neue Lehrstellen in OWL finanziert vom Land

Am 21. Januar 2008 haben sich die Spitzen des Ausbildungskonsenses Nordrhein-Westfalen darauf verständigt, dass den am 31.12.07 immer noch unversorgten Jugendlichen ein weiteres, vom Land NRW finanziertes Angebot unterbreitet werden soll. Landesweit sollen 300 Ausbildungsplätze für die unversorgten Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden. Die Fördersätze gleichen mit 10.000 € pro Platz und Jahr denen des „Sonderprogramms Ausbildung 2006“. Es sollen nur Bildungsträger berücksichtigt werden, die bereits das „Sonderprogramm Ausbildung 2006“ erfolgreich umgesetzt haben. Von den landesweiten 300 Ausbildungsplätzen werden voraussichtlich 50 in OWL angeboten werden, und zwar 35 im IHK-Bezirk Bielefeld und 15 im IHK-Bezirk Detmold. In einem Schreiben des MAGS wird darauf hingewiesen, dass die Antragsunterlagen von den Bildungsträgern bei der örtlich zuständigen Bewilligungsbehörde (Bezirksregierung) angefordert werden können.

OWL: Mehr Lehrstellen, mehr Bewerber...

Auf den ersten Blick scheint auf dem Lehrstellenmarkt in Ostwestfalen-Lippe alles im Lot zu sein. 2530 Ausbildungsverträge wurden 2007 mehr abgeschlossen als im Jahr davor (+17,7%). Die Zahl der unvermittelten Bewerber sank um 423 auf 1604. Auf den zweiten Blick wird deutlich, dass sich das duale System in einer Krise befindet. Ohne staatliche Subventionen hätte die Wirtschaft 2007 nicht einmal den Stand von 2001 erreicht. Rd. 2200 der 17000 Ausbildungsstellen in OWL werden mittlerweile komplett staatlich finanziert (=13%). Dennoch gibt es gemessen an der Nachfrage immer noch viel zu wenig Lehrstellen. Der Mangel wird nicht offenkundig, weil die unversorgten Bewerber zwischengeparkt werden. "Junge warum hast du nichts gelernt?",- mit dieser Frage beginnt der Nr.1-Hit von den Ärzten. "Weil du in der Warteschleife weilst..." könnte die Antwort lauten. Das nützt der Statistik und den Maßnahmeträgern, vielen Schulabgängern aber nicht. mehr...

Immer weniger Schulabgänger finden eine Lehrstelle und landen in einem sog. "Übergangssystem". Hier versammeln sich ca. 80% der Schulabgänger ohne Abschluss, rd. 60% der Hauptschüler und mehr als 25% der Realschüler, so eine Studie des SOFI-Instituts. (mehr...) [117 KB] Ein Teil dieses Übergangsystems sind sog. "Warteschleifen". Die Absoventen erhöhen als sog. "Altbewerber" ein Jahr später den Problemdruck. In Ostwestfalen-Lippe befinden sich derzeit schätzungsweise 7000 Schulabgänger in diesem "Übergangssystem" vorerst ohne Aussicht auf einen Berufsabschluss. Betroffen hiervon sind insbesondere Bewerber die dem Sozialgesetzbuch II zuzuordnen sind. Sie stellen ca. 2/3 der unvermittelten Bewerber. Die Verteilung von Bildungschancen nach dem Besitzstand der Eltern findet also im Berufsbildungssystem eine Fortsetzung. mehr...
Von einem auswahlfähigen Lehrstellenangebot ist diese Region weit entfernt. Auf 100 Bewerber kamen 2007 lediglich 93 freie Ausbildungsstellen. In diesem Jahr sind für OWL ca. 4000 zusätzliche Ausbildungsstellen erforderlich, um dem Problemdruck der Altbewerber gerecht zu werden und um ein auswahlfähiges Lehrstellenangebot sicherzustellen. Zur Entwicklung in Ostwestfalen-Lippe finden Sie hier mehr...

Schaubilder zur Entwicklung 2001-2007

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Lippe: Mehr Lehrstelle als 2006, aber...

Auf den ersten Blick kann für den Kreis Lippe (=Arbeitsagenturbezirk Detmold) "eine außergewöhnliche Entwicklung" auf dem Ausbildungsstellenmarkt verzeichnet werden. Rd. 400 Ausbildungsstellen mehr als 2006, -damit liegt Lippe sogar in NRW mit auf den vorderen Plätzen. So außergewöhnlich ist diese Entwicklung jedoch nicht, wenn man berücksichtigt, dass die Wirtschaft von 2001 bis 2005 rd. 500 Lehrstellen abgebaut hat und danach mehrere hundert Ausbildungsstellen komplett mit Steuergeldern subventioniert worden sind. mehr...

Herford: Es geht wieder aufwärts, aber...

Dennoch kann von einer Entspannung auf dem Ausbildungsstellenmarkt keine Rede sein. 527 Jugendliche blieben 2007 ohne jegliche Ausbildungsmöglichkeit. Schätzungsweise 2000 befinden sich in sog. "Warteschleifen" an den Berufskollegs oder in Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. mehr...

Bielefeld: 516 ohne Lehrstelle

Obwohl 2007 905 Ausbildungsverträge mehr abgeschlossen worden sind als im Vorjahr, bleibt die Zahl der noch nicht vermittelten Bewerber auf einem hohen Niveau (516). Rechnet man die Jugendlichen in "Warteschleifen" (ca. 2000) hinzu, so fehlen im Arbeitsagenturbezirk Bielefeld mindestens 2500 Ausbildungsplätze.
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Paderborn: + 19,60 % aber 263 ohne Lehre

Der Arbeitsagenturbezirk Paderborn schneidet im Zeitverlauf am besten ab. 2007 fast 20% mehr Lehrstellen als 2006 und eine Angebots-Nachfrage-Relation von 97,45 (2007), verdeutlichen einen unterdurchschnittlichen Problemdruck. Dennoch kann von einer Entspannung am dem Ausbildungsstelllenmarkt keine Rede sein. 263 Bewerber blieben 2007 ohne jegliche Ausbildungsmöglichkeit. Rechnet man die Jugendlichen in "Warteschleifen" (mind. 1500) hinzu, so wird deutlich, dass noch erhebliche Anstrengungen erforderlich sind, um allen Jugendlichen ein Ausbildungsangebot zu machen.
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