Ausbildungsbilanz 2013

Minister Schneider: Unbefriedigende Entwicklung

Arbeitsminister Guntram Schneider hat die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen zum Ausbildungsmarkt in NRW als „ausgesprochen unbefriedigend“ bezeichnet. „Insbesondere der Rückgang in den industriellen Kernberufen der Metall- und Elektroindustrie ist für die Zukunft des Industrielandes Nordrhein-Westfalen nicht positiv“, sagte der Minister.

Minister Schneider forderte die Industrie auf, im Zuge der Nachvermittlung noch weitere Ausbildungsplätze zu besetzen und appellierte dabei auch an das Eigeninteresse der Betriebe: „Man kann nicht einerseits einen Fachkräftemangel beklagen und andererseits durch verringerte Ausbildungsaktivitäten selbst zu diesem Mangel beitragen.“ (Pressestelle des MAIS 30.10.2013)

Ausbildungsplatzgarantie nötiger denn je

Zur Bilanz des Ausbildungsjahres 2013 erklärt Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, am Mittwoch in Berlin:

„Der Ausbildungsmarkt nimmt krisenhafte Züge an. Obwohl die Bewerberzahlen im Jahr 2013 stabil geblieben sind, bleiben mehr junge Menschen als im Vorjahr ohne Ausbildungsplatz. Mehr als 83.500 Bewerber suchen noch einen Ausbildungsplatz – und das bei nur 33.500 offenen Stellen.

Die Zahl der Ausbildungsverträge droht auf den niedrigsten Wert seit der Deutschen Einheit zu fallen. Erneut ist die Zahl der Berufsausbildungsplätze um 12.560 Stellen gesunken. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen fliehen aus der Ausbildung. Die Quote der Ausbildungsbetriebe ist mit 21,7 Prozent auf dem tiefsten Stand seit 1999 angelangt. Gleichzeitig können vor allem Betriebe in den Problembranchen mit schlechter Ausbildungsqualität – wie etwa Gaststätten und Hotels – ihre Ausbildungsplätze oft nicht besetzen. Junge Menschen mit Hauptschul- und mittlerem Schulabschluss schaffen allzu oft noch immer nicht den Sprung von der Schule in die Ausbildung. Noch immer befinden sich rund 267.000 Jugendliche in den Warteschleifen des Übergangsbereichs.

Diese Zahlen zeigen: Bund, Länder und Sozialpartner müssen gemeinsam die duale Berufsausbildung wieder stärken. Junge Menschen haben ein Recht auf Ausbildung. Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich wieder mehr ausbilden. Eine neue Bundesregierung sollte durch eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie sicherstellen, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen und nicht in Warteschleifen oder ungewünschte Alternativen abgeschoben werden.

Der bisherige Ausbildungspakt wurde seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Die Pakt-Partner haben neue Ausbildungsbetriebe und neue Ausbildungsplätze versprochen. Stattdessen verzeichnen wir ein Rekordtief. Wir brauchen deshalb einen neuen Konsens für eine gute Ausbildung, der den Jugendlichen einen Ausbildungsplatz sichert, der die Ausbildungsbetriebe stärkt und der die Warteschleifen im Übergang von der Schule in die Ausbildung abbaut. Wir müssen attraktive Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte eröffnen und die Qualität der Ausbildung auf die Tagesordnung setzen. Auf diesem Auge war der Pakt bisher weitgehend blind.“ (PM 186 des DGB-Bundesvorstands vom 30.10.2013)