OWL

Notstandsgebiet der Beruflichen Bildung

Ausbildungsstellenbilanz auch 2011 für OWL negativ

Im Ostwestfalen-Lippe wurden im Berufsbildungsjahr 2011 (Oktober 2010 bis September 2011) insgesamt 16090 Berufsausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das waren 972 Ausbildungsverträge mehr als im Vorjahr (+6,43 Prozent). Dieser Zuwachs liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt von +3,5%. Diese Steigerung hat aber nicht ausgereicht um die krisenbedingten Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. Im Krisenjahr 2008/2009 wurden in OWL 1379 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossne als im Jahr zuvor. Ein Jahr später wurden nochmals 405 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als. Erst 2011 kommt der wirtschaftliche Aufschwung auch auf dem Ausbildungsmarkt an. Mit 16090 neuabgeschlossenen Ausbildungsverträgen werden 972 Verträge mehr abgeschlossen als 2010, aber immer noch 812 weniger als vor der Krise 2008.

Die Steigerung von 2010 auf 2011 hat aber auch nicht gereicht, um der immer noch anhaltenden hohen Nachfrage nach Lehrstellen gerecht zu werden. Die Zahl der unversorgten Bewerber ohne jegliche Alternative lag in dieser Region bei 773, ein bundesweiter Rekordwert. 450 Stellen blieben in unbesetzt.

2333 Bewerber landeten im sog. Übergangssystem, also in Maßnahmen der Arbeitsagentur oder in Vollzeitbildungsgängen der Berufskollegs. Sie haben keinen Ausbildungsplatz bekommen und halten sich mit Bewerbungstrainings, Einstiegsqualifizierungen und Praktika über Wasser oder versuchen einen höheren Schulabschluss zu erreichen, oft ohne Aussicht auf Erfolg. So verlassen mehr als 1/3 der Schulabgänger (38,9% 2010) der Berufskollegs die Vollzeitbildungsgänge ohne Abschluss.

Eine interessante Studie zu den Warteschleifen an den Berufskollegs im Kreis Lippe aus dem Jahr 2008 finden Sie hier... [371 KB]

Unter Berücksichtigung der Bewerber in Warteschleifen fehlen nach Ansicht der Gewerkschaften in der Arbeitsmarktregion OWL rd. 2300 Ausbildungsplätze.

Unter Berücksichtigung des Übergangssystems errechnet das Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn den Versorgungsgrad für alle Regionen in Deutschland. 2009 hatten bereits die Arbeitsagenturbezirke Herford und Detmold das Urteil „sehr ungünstig“ erhalten. Das hat u.a. zu den schlechten Ergebnissen der Kreise Herford und Lippe im Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung geführt. Schaut man nun auf die neuesten Daten des BIBB, so werden die Ergebnisse des Lernatlasses im Bereich „Berufliches Lernen“ bestätigt. Die Rote Laterne hat Lippe an den Bezirk Herford abgegeben. Dort entfallen auf 100 Bewerber 81 Ausbildungsstellen. Herford belegt damit den letzten Platz (176) von allen deutschen Agenturbezirken. Herford ist damit im Hinblick auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im bundesdeutschen Vergleich ein absolutes Notstandsgebiet. In kaum einer Region ist das Lehrstellenangebot für die Bewerber so wenig auswahlfähig wie hier.

In OWL entfielen 2011 auf 100 Bewerber 86 Ausbildungsstellen. Würde man OWL als Arbeitsmarktregion betrachten, dann würde diese Region Rang 151 von 176 Arbeitsmarktregionen belegen.

Ostwestfalen-Lippe ist damit im Hinblick auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im bundesdeutschen Vergleich ein absolutes Notstandsgebiet. In kaum einer Region ist das Lehrstellenangebot für die Bewerber so wenig auswahlfähig wie hier.

Die Zeitreihe 2001 bis 2011 für den Ausbildungsstellenmarkt Ostwestfalen-Lippe finden Sie hier... [15 KB]

Die Ranking-Tabelle für 2011 finden Sie hier... [49 KB]