NRW

Notstandsgebiet der Beruflichen Bildung

Ausbildungsstellenbilanz 2011 für Nordrhein-Westfalen nicht zufriedenstellend

Im NRW wurden im Berufsbildungsjahr 2011 (Oktober 2010 bis September 2011) insgesamt 126553 Berufsausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das waren 4243 Ausbildungsverträge mehr als im Vorjahr (+3,47 Prozent). Dieser Zuwachs liegt über dem Bundesdurchschnitt von +1,8%. Diese Steigerung hat aber nicht ausgereicht um die krisenbedingten Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. Im Krisenjahr 2008/2009 wurden in NRW 10754 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossne als im Jahr zuvor. Erst 2011 kommt der wirtschaftliche Aufschwung auch auf dem Ausbildungsmarkt an. Mit 126553 neuabgeschlossenen Ausbildungsverträgen werden 4243 Verträge mehr abgeschlossen als 2010, aber immer noch 5706 weniger als vor der Krise 2008.

Die Steigerung von 2010 auf 2011 hat aber auch nicht gereicht, um der immer noch anhaltenden hohen Nachfrage nach Lehrstellen gerecht zu werden. Die Zahl der unversorgten Bewerber ohne jegliche Alternative lag in NRW bei 3750. 4393 Stellen blieben unbesetzt.

17946 Bewerber landeten im sog. Übergangssystem, also in Maßnahmen der Arbeitsagentur oder in Vollzeitbildungsgängen der Berufskollegs. Sie haben keinen Ausbildungsplatz bekommen und halten sich mit Bewerbungstrainings, Einstiegsqualifizierungen und Praktika über Wasser oder versuchen einen höheren Schulabschluss zu erreichen, oft ohne Aussicht auf Erfolg. So verlassen mehr als 1/3 der Schulabgänger der Berufskollegs die Vollzeitbildungsgänge ohne Abschluss.

Eine interessante Studie zu den Warteschleifen an den Berufskollegs im Kreis Lippe aus dem Jahr 2008 finden Sie hier... [371 KB]

Unter Berücksichtigung der Bewerber in Warteschleifen fehlen in NRW rd. 17000 Ausbildungsplätze.

Unter Berücksichtigung des Übergangssystems errechnet das Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn den Versorgungsgrad für alle Regionen in Deutschland. 2009 hatten bereits viele Arbeitsagenturbezirke in NRW das Urteil „sehr ungünstig“ erhalten. Das hat u.a. zu den relativ schlechten schlechten Ergebnissen des Bundeslandes NRW im Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung geführt. Schaut man nun auf die neuesten Daten des BIBB, so werden die Ergebnisse des Lernatlasses im Bereich „Berufliches Lernen“ bestätigt.
NRW würde als Arbeitsmarktregion den Platz 136 von 176 erreichen. Hier entfallen auf 100 Bewerber 88 Ausbildungsstellen.

NRW ist damit im Hinblick auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im bundesdeutschen Vergleich weiterhin ein Notstandsgebiet.

Die Zeitreihe 2001 bis 2011 für den Ausbildungsstellenmarkt in NRW finden Sie hier... [39 KB]

Die Ranking-Tabelle für 2011 finden Sie hier... [49 KB]