Zahlentrickserei

Wie Zahlen frisiert werden um Erfolge zu feiern

Die Zahl der "Unversorgten Bewerber" auf dem Lehrstellenmarkt wird jährlich von den regionalen Arbeitsagenturen erhoben. Sie gilt als Maßstab für den Erfolg bzw. Misserfolg regionaler Bildungspolitik. Hier wird offensichtlich "skrupellos getrickst" wie der Stern in Heft 3/2009 berichtet: "Alles Schmu. Tatsächlich ist die Lehrstellenlücke in erster Linie statistischen Tricks zu verdanken." Auf den 30.9. hin werden offensichtlich alle Zahlen frisiert, wie Mitarbeiter der Arbeitsagentur dem Stern berichteten.

Den Stern-Bericht finden Sie hier... (Externer Link ohne jegliche Gewähr oder Haftung!)

So werden die Zahlen frisiert

Eine Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit vom 2.2.2009 steht unter der Überschrift "Nachvermittlung" und "5. Quartal" der Berufsberatung erfolgreich. Die Zahl der unversorgten Bewerber sei bundesweit von 8.500 auf 6000 verringert worden.
In einer Pressemitteilung des Ausbildungspaktes (Arbeitgeberverbände, Kammern, Bund) heißt es: "Jedem ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen konnte entsprechend der Pakt-Zusage ein Angebot auf Ausbildung gemacht werden."
Diese Aussagen werden in regionalen Pressemitteilungen in OWL entsprechend wiederholt und enden zumeist mit der Aussage "Die Lehrstellenlucke hat sich geschlossen".

Rückmeldungen

Telefonanrufe und Mails haben uns erreicht, die den Sternbericht bestätigen. Es gibt in den regionalen Arbeitsagenturen "Zielvereinbarungen" die am Jahresanfang festlegen wie viele "unvermittelte Bewerber" es geben darf. Um diese Zielvereinbarungen zu erreichen, werden an den sog. "Jahresabschlussteams" Sonderzahlungen in Form von Prämien in Aussicht gestellt. In einer regionalen Arbeitsagentur wurden Mitarbeiter sogar von der Leitung gerügt, weil die Planziele nicht erreicht wurden. In anderen Arbeitsagenturen löst man das Problem am besten duch die Provokation von "fehlender Mitwirkung" bei den Bewerbern. Zu kurzfristige Einladungen oder Einladungen zu einem Termin am Vormittag (dort müssen die unter 18-jährige in die Berufsschule gehen) sind gut geeignet, um die Bewerberstatistik zu frisieren. Eine Standardfrage scheint auch gut geeignet zu sein die Statistik zu bereinigen: "Können Sie sich vorstellen auch an Stelle einer Berufausbildung eine schulische Ausbildung zu beginnen." Wer deutlich mit ja antwortet wird aus der Statistik "abgemeldet", was soviel heißt wie "aus der Statistik werfen".
Durch die neue Aufteilung der Zuständigkeiten für AGLII-Empfänger zwischen der Arbeitsagentur und den Kommunen (ARGen) funktioniert das Frisieren der Daten allerdings nicht mehr so gut. Die Haushaltslage der Kommunen läßt Prämienzahlungen an Mitarbeiter für "Harte Arbeit am Statistikrechner" nicht zu. Das oft angespannte Verhältnis zwischen den Kommunen und Arbeitsagenturen motiviert kommunale Bedienstete zudem nicht gerade den Rangplatz des heimischen Arbeitsagenturbezirks zu verbessern.