Vorbemerkungen

Latenter Missbrauchsverdacht

Es ist seit der Volkszählung bekannt, dass der Umgang mit personenbezogenen Daten hierzulande unter permanenten Missbrauchsverdacht steht. Seitdem die Kultusministerkonferenz (KMK) 2006 eine bundesweite Datenbank plant in der jeder Schüler mit seiner Bildungskarriere unter einer Schüler-ID verzeichnet sein soll, werden alle Aktivitäten in diese Richtung mit erhöhter Aufmerksamkeit wahrgenommen. Geht es um den Gläsernen Schüler oder um die Gläserne Schule oder um beides? Welche Ziele haben welche Abfragen? Welches Interesse steckt hinter den einzelnen Vorhaben?
Bei aller erhöhter Aufmerksamkeit, sollte man sich aber hüten bei jeder Befragung pauschalen Missbrauch zu unterstellen und: Auch auf Seiten der Kritiker gibt es Interessen! Natürlich hält sich das Interesse der Gymnasien in Grenzen, wenn es darum geht über eine Schüler-ID herauszufinden wieviele Schüler an dieser Schulform auf- und absteigen. Wie viele Sitzenbleiber erreichen denn das Abitur? Wieviele Schüler mit Migrationshintergrund erhalten auf einem Gymnasium welchen Abschluss?
Gerade wer dem Scheitern von sog. "Benachteiligten Schülern" nachgehen will, braucht genaue Informationen über oftmals verworrene Bildungswege. Die subtilen Mechanismen, mit denen Arbeiterkinder und Einwandererkinder am Schulerfolg gehindert werden, können nur aufgedeckt werden, wenn entsprechende Daten vorliegen. Eine anonyme Stichprobe reicht da nicht aus. Die Auswertung von personenbezogenen Schüler-Daten hat einen höheren Erkenntniswert. Gleichwohl müssen personenbezogene Schüler-Daten gegen Missbrauch geschützt werden. Das geschied zumeist durch eine breite Diskussion über Art und Umfang von Befragungen und deren Zielsetzungen an dessen Ende eine "einvernehmliche Lösung" mit den Datenschützern steht. Die Pisa-Studie konnte nur durchgeführt werden, weil im Vorfeld mit Lehrerverbänden, Datenschützern, Bildungsforschern und Schulpolitikern eine intensive Diskussion geführt worden ist.
Die Entwicklung des Schüler-Online-Systems, die Anfang dieses Jahrtausends im Kreis Lippe begann, zeigt ein anderes Bild. Die Protagonisten dieses Systems haben zunächst die Idee eines Frühwarnsystems für den Ausbildungsstellenmarkt "vereinnahmt", um daneben ein regides System zur Steuerung von Berufswünsche und Anmeldungen an Schulen zu etablieren. Später hat man sich von der Idee eines Frühwarnsystems klammheimlich verabschiedet, um primär die Anmeldung an den Schulen "weiter zu entwickeln". Hinter den Kulissen wurden Kritiker mundtod gemacht und den Schulen der Eindruck vermittelt, sie seinen rechtlich verpflichtet an dem System teilzunehmen. Nach außen wurde nach der Devise "Blenden, beschönigen, verschweigen" vorgegangen. Diese Doppelstrategie der Protagonisten des Schüler-Online-Systems ist nicht aufgegangen. Spätestens seit den Presseberichten 2007 gibt es ein Öffentliches Interesse an dem Schüler-Online-System, verbunden mit einem großen Misstrauen. Leider kann die Regionalpresse (von dem Ansatz her) nicht komplizierte Systeme, wie Schüler-Online, differenziert darstellen. Der Teufel steckt aber bekanntlich im Detail. Und das ist nur zu erkennen, wenn alle Informationen über Strukturen und Funktionen von Schüler-Online offengelegt werden.