Berufskollegs

10000 in OWL ohne Abschluss!

30%-Misserfolgsquote bei den Berufskollegs in OWL

Für Schüler, die die allgemeinbildenden Schulen vorzeitig verlassen, stellen die Berufskollegs in der Region oftmals die letzte Chance dar. Dort können im Prinzip alle Abschlüssen, angefangen vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur, „nachgeholt“ werden. Die aktuellen Statistiken von it.nrw verdeutlichen Erfolge und Misserfolge.

2011 haben von den 33393 Schulabgängern der Berufskollegs in OWL 10307 diese ohne Abschluss verlassen (30,9%). Die Misserfolgsquote fällt bei den Ausländern mit 46% deutlich höher und bei den Aussiedlern mit 24% deutlich geringer aus als bei einheimischen Abgängern.

Hierbei wurden die Schüler, die während des Schuljahres den Bildungsgang gewechselt haben schon rausgerechnet, so das Statistische Landesamt it.nrw:

„Richtig ist, dass die Schulabgänger erst nach Beendigung des besuchten Bildungsganges als solche gezählt werden. Die versetzten Schüler ins nächst höhere Ausbildungsjahr werden nicht als Abgänger erfasst (…). Der Abschluss, also das Bildungsgangsziel, muss aber nicht unbedingt ein allgemeinbildender Abschluss sein, möglich ist auch eine berufliche Qualifizierung unterhalb des Berufsschulabschlusses“, so it.nrw.

Wenn über 10000 Abgänger der Berufskollegs kein Abschlusszeugnis erhalten, dann war für sie der Besuch des Berufskollegs nicht mehr als eine sinnlose „Warteschleife“. Auch hier lohnt es sich näher hinzuschauen.

Für die Berufsschule (duales System), das Berufliche Gymnasium, oder die Fachoberschulen ist die Misserfolgsquote deutlich geringer als 30%. Für das Berufsorientierungs- und das Berufsgrundschuljahr, sowie für die Berufsfachschulen liegt der Misserfolg aber deutlich höher teilweise bei über 50%.

Am höchsten liegt die Misserfolgsquote bei den Klassen ohne Ausbildungsvertrag (KSOB). Von den 3300 Absolventen haben 2011 über 2000 kein Abschlusszeugnis erhalten (61%).

Erfolg und Misserfolg unterliegt starken regionalen Schwankungen, die kritisch zu hinterfragen sind. Warum erreichen an den Berufskollegs in Bielefeld rd. 52% der Abgänger im Berufsbildungsjahr (BGJ) keinen Abschluss, während es und im Kreis Paderborn nur 32% sind?

Bei den Berufsfachschulen erreichen im Kreis Minden-Lübbecke 41,4% keinen Abschluss, während es im Kreis Höxter nur 20% sind. Es fällt zudem auf, dass die Misserfolgsquoten für fast alle Bildungsgänge der Berufskollegs im Kreis Minden-Lübbecke deutlich über den OWL-Quoten liegen, bei den Teilzeitschulformen dicht gefolgt vom Kreis Lippe.

Auch bei den Misserfolgsquoten von Ausländern gibt es wiederum erhebliche regionale Abweichungen. Besonders schwer haben es ausländische Schüler in den Teilbildungsgängen in Bielefeld und im Kreis Lippe (55% bzw. 63%), in den Vollzeitbildungsgängen im Kreis Minden-Lübbecke und im Kreis Herford mit Misserfolgsquoten von 47% bzw. 51%, währen im Kreis Höxter die Misserfolgs-Quote „nur“ 41% beträgt.

Der schulische Misserfolg von Aussiedlern ist hingegen in fast allen Bildungsgängen deutlich geringer als der von einheimischen Schülern.

Wenn man davon ausgeht, dass starke und schwächere Schüler über die Kreise relativ gleich verteilt sind, dann weisen die erheblichen regionalen Unterschiede auch auf unterschiedliche Leistungen der Schulen im Hinblick auf die Förderung von schwachen Schülern hin.

Übergangssystem: Kein Übergang und kein System!

Besonders auffällig sind die Misserfolgsquoten der Berufskollegs im Bereich des sog. "Übergangssystems". Die wichtigsten Bildungsgänge dieses Systems sind das Berufsorientierungsjahr, das Berufsgrundschuljahr un die Klassen für SchülerInnnen ohne Ausbildungsvertrag (KSOB).
2011 haben diese Bildungsgänge in Ostwestfalen-Lippe 5273 Absolvernten verlassen, 2822 ohne Abschluss. Das entspricht einer Misserfolgsquote von 53,52%.
Die Tabelle mit den Daten für Ostwestfalen-Lippe finden Sie hier... [192 KB]
Die Tabelle mit den Daten für das Land NRW finden Sie hier... [192 KB]

Schulversagen in differenzierter Form