Berufsvorbereitung in der Kritik

Subventionsbetrug im pädagogischen Hinterhof

Die Neue Westfälische berichtet im Mai 2013 über die Situation der Berufsorientierung an den Berufskollegs in NRW und über Fälle von Subventionsbetrug im Kreis Herford. Mehr...

Der Luftballon der Nation

Ein Bereich der Berufskollegs in NRW, der begrifflich mit "Übergangssystem", "Berufsorientierung" oder "Ausbildungsvorbereitung" erfasst wird ist in die Kritik geraten. Es geht hauptsächlich um das Berufsorientierungsjahr, das Berufsgrundschuljahr, um die Klassen für Schüler ohne Ausbildungsvertrag (KSOB) (früher Berufsvorbereitungsjahr -BVJ-) und um die Berufsfachschule. Diese Bildungsgänge haben in der Vergangenheit eine Art Schwammfunktion für "unversorgte Bewerber" auf dem Ausbildungsstellenmarkt eingenommen. Auch die Berufskollegs in NRW wurden so als "Luftballon der Nation" bis an die Grenzen strapaziert, so der stellvertr. Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS), Wolfgang Herbst (BbSch 64/2012). Der Verbandsfuktionär macht aber auf eine kleinen aber feinen Unterschied aufmerksam. Es waren fast ausschließlich die gewerblich-technisch-hauswirtschaftlich ausgerichteten Schulen, die die "unversorgten" Jugendlichen aufgenommen haben oder aufnehmen mussten, weil deren Schulpflicht noch nicht erfüllt war.
Für den quantitativ bedeutende Bereich der kaufmännischen Schulen hingegen war Berufsvorbereitung eher kein Thema. In NRW reichte die Umetikettierung des Berufsgrundschuljahrs in das erste Jahr der zweijährigen Handelsschule aus, um ein Hauch von Berufsorientierung auch hier umzusetzen.
In den gewerblich-technisch-hauswirtschaftlichen Schulen wurden viele Lehrerinnen und Lehrer in Klassen mit sehr leistungsschwachen und auch verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schüler eingesetzt, "obwohl sie durch ihr Lehramtsstudium in keiner Weise auf Unterricht in solchen Klassen vorbereitet waren", so Wolfgang Herbst. Ergebnisse und Rahmenbedingungen des Unterrichts im Bereich der Berufskollegs in NRW wurden vom SOFI-Institut Göttingen 2012 wiss. untersucht. Die Studie dazu finden Sie hier... und eine Zusammenfassung hier...

Klarstellungen zur SOFI-Studie

Am 7.2.2013 hält Herr Dr. Baethge-Kinsky ein bewerkenswertes Referat über die SOFI-Studie. Er weist darauf hin, dass sich der Arbeitsauftrag des MSW an das SOFI ausschließlich auf die BK-Bildungsgänge für Jugendliche mit besonderen Förderbedarf bezogen habe. Außerdem stelle die explorative Studie keine Evaluation dar. Dieses Statement steht im klaren Widerspruch zu der Presseerklärung des MSW vom 6.12.2012: "Der Soziologe Professor Dr. Martin Baethge, Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen, hatte im Auftrag des Schulministeriums sämtliche ausbildungsvorbereitenden Bildungsgänge am Berufskolleg wissenschaftlich evaluiert. (...) Die Befunde und Empfehlungen des Gutachtens bestätigen in weiten Teilen die beabsichtigte Neuordnung des Übergangssystems." Hier wird vom MSW versucht die SOFI-Studie als Alibi für den gesamten Umbau des Übergangssystems zu deuten. Tatsächlich hat die SOFI-Studie (gemäß des Auftrags) weit weniger als 50% der von den Umbauplänen betroffenen Schüler u. Schülerinnen in den Blick genommen.
Gleichwohl liefert die Studie eine tiefen Einblick in die Praxis der Ausbildungsvorbereitung an den Berufskollegs in NRW.