Ausbildungsbilanz 2015

Negativtrend zwar gestoppt, -aber...

Sonderentwicklung Handwerk: So wenig Ausbildungsverträge wie nie zuvor!

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn legt in jedem Jahr Ende Dezember die vollständigen Daten zur Ausbildungssituation für alle Regionen und Bereiche in Deutschland vor. Danach konnte der Negativtrend der vergangenen Jahre für Ostwestfalen-Lippe zumindest gestoppt werden. Mit 14646 neuabgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurde sogar eine (wenn auch geringfügige) Steigung von 117 Verträgen (+0,8 %) gegenüber dem Vorjahr registriert. Diese Steigerung hat jedoch nicht ausgereicht, um die Ziele der Arbeitgeber und Gewerkschaften in der Allianz für Aus- und Weiterbildung zu erreichen. Danach hätten 435 Ausbildungsverträge mehr abgeschlossen werden müssen.

Das Ergebnis reichte auch nicht aus um der weiterhin hohen Nachfrage nach Ausbildungsplätzen zu entsprechen. Auf 100 Bewerber entfallen in OWL rd. 86 Ausbildungsstellen, - ein Wert der in den letzten 3 Jahren relativ konstant geblieben ist und auch ein Beleg für die vergleichsweise geringe Auswahlfähigkeit des Lehrstellenangebots darstellt. OWL rangiert damit im Ranking der Regionen in Deutschland weiterhin im unteren Drittel.

Die vier OWL-Arbeitsagenturbezirke nehmen allerdings in diesem Ranking unterschiedliche Plätze ein. Am besten schneidet der Agenturbezirk Paderborn mit Position 91 von 155 ab, gefolgt von Bielefeld (123 von 155), Lippe (132 von 155) und dem Schlusslicht Herford (151 von 155).

Die Ausbildungssituation wurde allerdings von den großen Anbietern unterschiedlich geprägt. Während der Bereich Industrie/Handel eine Steigerung von 2,8% (+252) aufweist, wurde für den Bereich des Handwerks ein deutlicher Rückgang von -7,6% (-294) registriert. 2015 wurden im Handwerk für OWL nur noch 3600 neuabgeschlossene Ausbildungsverträge registriert, so wenig wie noch nie in den letzten 10 Jahren. Dieser Rückgang ist bemerkenswert, liegt er doch deutlich über den Landes- und Bundesdurchschnitt (-4,9%; +0,2%).

Diese Entwicklung kann nicht auf einen Mangel an (geeigneten) Bewerber zurückzuführen sein. Der hätte den Bereich Industrie/Handel auch treffen müssen. Mehr als Hälfte der ausbildungswilligen Jugendlichen ohne Lehrstelle verfügten nach Angaben der Arbeitsagenturen zudem mind. über einen Realschulabschluss.

Für alle anderen Bereiche (Freien Berufe; Landwirtschaft und Öffentlicher Dienst) registrierte das BiBB eine Steigerung der Ausbildungsbereitschaft.

Aufgrund der starken Nachfrage nach Ausbildungsstellen blieb die Zahl der unversorgten Bewerber (mit und ohne schulische Alternative) in OWL 2015 weiterhin auf einem hohen Niveau (2877). Davon befinden sich rd. 2000 in zumeist schulischen Warteschleifen. Über die Hälfte verlassen diese Warteschleifen ohne zählbaren Erfolg und gehen im nächsten Jahr als sog. „Altbewerber“ erneut auf Lehrstellensuche. 50% der Altbewerber sind ehemalige Absolventen der Berufskollegs in OWL. Hinzukommen demnächst jährlich rd. 1000 Bewerber für Ausbildungsstellen aus den internationalen Förderklassen (Flüchtlinge). Sie stellen eine zusätzliche Herausforderung die den Ausbildungsstellenmarkt und das Übergangssystem in OWL dar.
Deshalb ist ein systematisches Monitoring der Übergangssysteme im Hinblick auf die Integrationsleistungen der Schulen und die Anschlussfähigkeit schulischer Abschlüsse erforderlich.

Auswertungen

von 2005 bis 2015 nach Arbeitsmarktregionen:
Bund 2015 hier... [42 KB]
NRW 2015 hier... [41 KB]
OWL 2015 hier... [41 KB]
Lippe 2015 hier... [40 KB]
Herford 2015 hier... [41 KB]
Bielefeld 2015 hier... [41 KB]
Paderborn 2015 hier... [41 KB]