NRW

Notstandsgebiet der Beruflichen Bildung

Ausbildungsstellenbilanz 2012 für Nordrhein-Westfalen nicht zufriedenstellend

Im NRW wurden im Berufsbildungsjahr 2012 (Oktober 2011 bis September 2012) insgesamt 124110 Berufsausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das waren 2443 Ausbildungsverträge weniger als im Vorjahr (-1,93 Prozent). Dieser Rückgang liegt unter dem Bundesdurchschnitt von -3,3%.

Die Entwicklung hat nicht ausgereicht um die krisenbedingten Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. Im Krisenjahr 2008/2009 wurden in NRW 10754 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossne als im Jahr zuvor. Erst 2011 kommt der wirtschaftliche Aufschwung auch auf dem Ausbildungsmarkt an. Mit 126553 neuabgeschlossenen Ausbildungsverträgen wurden zwar 2011 4243 Verträge mehr abgeschlossen als 2010, aber immer noch 5706 weniger als vor der Krise 2008.
2012 wurden 8148 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als 2008.

Das Ergebnis für 2012 hat nicht gereicht, um der immer noch anhaltenden hohen Nachfrage nach Lehrstellen gerecht zu werden. Die Zahl der unversorgten Bewerber ohne jegliche Alternative lag in NRW 2012 bei 4374, eine Steigerung von 18,5% gegenüber dem Vorjahr. 4695 Stellen blieben unbesetzt (+5,7% gegenüber dem Vorjahr).

17096 Bewerber landeten im sog. Übergangssystem, also in Maßnahmen der Arbeitsagentur oder in Vollzeitbildungsgängen der Berufskollegs. Sie haben keinen Ausbildungsplatz bekommen und halten sich mit Bewerbungstrainings, Einstiegsqualifizierungen und Praktika über Wasser oder versuchen einen höheren Schulabschluss zu erreichen, oft ohne Aussicht auf Erfolg. So verlassen mehr als 1/3 der Schulabgänger der Berufskollegs die Vollzeitbildungsgänge ohne Abschluss.

Eine interessante Studie zu den Warteschleifen an den Berufskollegs im Kreis Lippe aus dem Jahr 2008 finden Sie hier... [371 KB]

Unter Berücksichtigung der Bewerber in Warteschleifen fehlen in NRW rd. 16000 Ausbildungsplätze.

Unter Berücksichtigung des Übergangssystems errechnet das Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn den Versorgungsgrad für alle Regionen in Deutschland. 2009 hatten bereits viele Arbeitsagenturbezirke in NRW das Urteil „sehr ungünstig“ erhalten. Das hat u.a. zu den relativ schlechten schlechten Ergebnissen des Bundeslandes NRW im Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung geführt. Schaut man nun auf die neuesten Daten des BIBB, so werden die Ergebnisse des Lernatlasses im Bereich „Berufliches Lernen“ bestätigt.
NRW würde als Arbeitsmarktregion den Platz 129 von 176 erreichen. Hier entfallen auf 100 Bewerber 88 Ausbildungsstellen.

NRW ist damit im Hinblick auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im bundesdeutschen Vergleich weiterhin ein Notstandsgebiet.

Die Zeitreihe 2002 bis 2012 für den Ausbildungsstellenmarkt in NRW finden Sie hier...

Die Ranking-Tabelle für 2012 finden Sie hier...