Kreis Lippe

Der Aufschwung geht an der Region vorbei

Im Kreis Lippe wurden im Berufsbildungsjahr 2012 (Oktober 2011 bis September 2012) insgesamt 2253 Berufsausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das waren 3 Ausbildungsverträge weniger als im Vorjahr (-0,13%). Der Wirtschaftsausschwung hat sich demnach auch 2012 auf dem Ausbildungsstellenmarkt in Lippe kaum ausgewirkt. Zur Erinnerung:
Das Krisenjahr 2009 hatte deutliche Spuren auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen (-186). Auch für 2010 wurde nochmals ein Rückgang von 37 neuabgeschlossenen Ausbildungsverträgen registriert. Gemessen an diesem Einbruch war der Zuwachs von 46 Ausbildungsverträgen (2011 gegenüber 2010) kaum der Rede wert.
Dies hat nun wiederum Auswirkungen auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsstellenmarkt. An dieser Stelle wird nun leider eine Zahl in die Diskussion eingebracht, die im Bereich der Bildungsforschung als nicht seriös gilt: Die Zahl der "unversorgten Bewerber ohne Alternative". Diese Zahl hat schon immer Dunkelziffer-Debatten ausgelöst. Wir haben an anderer Stelle über die bekannte Zahlentrickserei und das Frisieren von Statistiken berichtet. mehr...
Folgt man der amtlichen Statistik, dann ist die Zahl der "unversorgten Bewerber ohne Alternative" von 136 (2010) auf 42 (2012) zurückgegangen. Dies führt im Ergebnis zu einem "Überangebot" an Ausbildungsstellen gemessen an der Nachfrage (Angebots-Nachfrage-Relation -alt- 2012 von 101,96).
Dieses Ergebnis wird als Erfolg der Bildungregion Lippe gewertet. (Pressemitteilung Kreis Lippe 27.11.2011).
Diese Einschätzung ist falsch, weil die unversorgten Bewerber im sog. Übergangssystem nicht berücksichtigt wurden und es folglich erheblich mehr Bewerber gibt die eine Ausbildungplatz haben wollten und haben sollten.
Deshalb hat das BIBB ab 2007 auch die Bewerber statistisch erfasst, die eine zwar eine Alternative zum 30.9 haben aber dennoch weiter eine Ausbilldungsplatz suchen (unversorgte Bewerber mit Alternative/ Angebots-Nachfrage-Relation -neu-). Dadurch werden erstmals schulische Warteschleifen und berufsvorbereitende Maßnahmen besser erfasst. Der Erfolg dieser Maßnahmen steht schon längerer Zeit in der Kritik. mehr...

Eine Auswertung differenzierter Daten zu den "Warteschleifen" zeigen, dass
- fast über die Hälfte der Bewerber über mindestens einen Realschulabschluss verfügt,
- 69% der unvermittelten Bewerber vorher ein Berufskolleg besucht hat.

Die amtliche Statistik des BIBB zeigt, dass sich seit 2007 jedes Jahr rd. 500 Bewerber in dem sog. Übergangsystem befinden. Für 100 Bewerber um einen Ausbildungsplatz standen demnach 2012 im Kreis Lippe nur 86 Ausbildungsstellen zur Verfügung (ANR -neu-:86,96). Der Kreis Lippe belegt mit diesem Ergebnis Platz 144 von 176 in Deutschland!

Eine interessante Studie zur Qualität der Warteschleifen an den Berufskollegs im Kreis Lippe aus dem Jahr 2008 finden Sie hier... [371 KB]

Die Zeitreihe 2002 bis 2012 für den Ausbildungsstellenmarkt Lippe finden Sie hier...
Die Ranking-Tabelle für 2012 finden Sie hier...

Fazit: Der wirtschaftliche Aufschwung ist im wesentlichen am lippischen Ausbildungsstellenmarkt vorbei gegangen. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage und damit auch die Auswahlfähigkeit des Lehrstellenangebots ist immer noch vergleichsweise schlecht.
In den Blick genommen werden müssen dringend die "Warteschleifen" an den Berufskollegs.